Mir mechte a Fasnacht anfange...
Immer wieder versuchten einige Leute in Tarrenz, die Fasnacht wieder aufleben zu lassen. Die Tatsache, dass Pfarrer Huber 1895 eine Abschrift der alten Urkunde anfertigte, zeigt, dass er auf dem Fasnachtsverbot bestehen wollte. Die Labera wurde aber trotz des Umzugsverbots von Zeit zu Zeit vorgetragen, je nachdem, ob es dazu Stoff gab.
Rudolf Wittmann, früher Fasnachtsobmann in Tarrenz erinnert sich an die Anfänge:
1936 gab es eine Bubenfasnacht, die von den Schülern selbst organisiert wurde. Die Einnahmen mussten wir der Kirche abgeben. Es hieß, mit dem Geld werden Sportgeräte für den Schulunterricht gekauft, aber es blieb bei dem guten Vorsatz. Das ganze Geld wurde uns abgenommen. Die Geistlichen haben keine Freude mit der Fasnacht gehabt, man wollte die Fasnacht nicht aufkommen lassen. Von 1936 bis 1965 war es dann ruhig um die Fasnacht in Tarrenz.
Der Larvenschnitzer Franz Neururer, Obmann-Stv des Fasnachtsvereins, zum bescheidenen Neubeginn der Fasnacht:
In der Bierbrauerei Starkenberg ging es ab 1965 mit den Hexen los. Alois Fürrutter kam und brachte mir ein Muster von einem Hexengschnapp. Daraufhin schnitzte ich viele solche Hexenlarven und die Arbeiter der Brauerei gingen mit ca. 15 Hexenlarven und Hexenmusik auskehren. Ein Jahr später zogen wir tanzend und lärmend durch die Trujegasse, unter anderem trugen wir lange Unterhosen mit Spitzen dran. Das war eine Art Neubeginn.

Franz Neururer weiters...
Ich wollte weder Nassereith noch Imst kopieren. Roller und Scheller gibt es einfach, und als Kinder haben wir diese in Imst bewundert, wenn wir Roller und Scheller haben, weiß jeder, was er tun muss.
Einflüsse kommen von überall her - Die Zigeuner mit den Bären haben einen realen Hintergrund. Sie kamen früher jährlich zu uns und damit sie ihre Pferde nicht auf den Feldern der Bauern weiden ließen, haben ihnen die Gemeinden Roßweiden in der Nähe der Dörfer zugewiesen. Dort hatten sie das Weiderecht. In Tarrenz war das im Weiler Dollinger, denn im Dorf wollte man sie nicht haben. Wenn eine Zigeunerin im Dorf ein Kind zur Welt brachte, war die Gemeinde zuständig und man brachte den Frauen Hühnersuppen zur Kräftigung. 1938 kam dann das Gesetz gegen die Landstreicherei. Die Spuren unserer alten Fasnacht sind verwischt. Wir haben uns an Dr. Hans Gschnitzer, den Direktor des Volkskunstmuseums, gewandt. Er hat darauf dem Bürgermeister ein Foto geschickt, das ein Maskenpaar aus Tarrenz zeigt. Sie waren anders als die Scheller und Roller. Der eine trägt einen langen Stab, der Begleiter könnte eine weibliche Maske sein. Das gab die Inspiration zu den Alplern. Andererseits wollte man in Tarrenz schon seit längerer Zeit die Ritter von Starkenberg in den Umzug aufnehmen. Die Hexen kommen vom Salvesenbach. Damit waren die Tarrenzer einverstanden. Die Alpler sollten sich aber nicht wie Scheller und Roller bewegen. Der Hirt war ja im Dorfleben früher eine wichtige Person. Im Frühjahr hat man die Wege gerichtet, die Steine auf den Almen eingesammelt und aufgeschichtet, damit im folgenden Jahr die Almwirtschaft wieder möglich wurde. Das waren also die Wegbereiter, Sinnbild für jene, die den Weg fürs kommende Jahr vorbereiten.
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Dann kam die Idee, eine Volks- und Brauchtumsgruppe zu gründen, denn sonst bestand die Gefahr, dass alles wieder einschlief. Der neue Gemeindesaal wurde eröffnet und der Bürgermeister war froh, dass dort Veranstaltungen abgehalten wurden. Als nächstes fand man nach langem Hin und Her mit Alois Baumann einen fähigen Obmann. Baumann wollte sofort im folgenden Frühjahr eine große Fasnacht veranstalten. Er sagte: "Viele Burschen möchten Ritter gehen." und er versprach einen Ritterwagen zu bauen.
Der Bezirkshauptmann Hofrat Kundratitz kam zu unserem ersten Umzug und sagte:
Lasst euch nicht entmutigen, ein Anfang ist gelungen, macht nur weiter!
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 11. Februar 2009 um 12:09 Uhr |